Villa Baltic – ein kritischer Blick

Die StadtvertreterInnen haben während ihrer Versammlung am 15. April den Grundsatzbeschluss gefasst, den bestehenden B-Plan 16 so anzupassen, dass neben der sanierten Villa Baltic ein Neubau mit Hotel, Einzelhandel, Gastronomie und Veranstaltungssaal entstehen darf.

Die bis dahin unter dem Schutz reduzierter Öffentlichkeits-Beteiligung vorverhandelten Fakten wurden als „Pflöcke“ eingeschlagen, die Diagnosephase für beendet erklärt. Es ist also mehr als verständlich, dass seit Bekanntwerden der Details die Emotionen der Kühlungsborner Bevölkerung hochkochen.

Das Abstimmungsergebnis in der Stadtvertreterversammlung fiel mit 15:3 (16,6% Ablehnung) relativ klar aus. Die zuvor geäußerten „Bauchschmerzen“ einiger StadtvertreterInnen sind dabei nicht ablesbar, und werden gewiss rasch überwunden sein.

Eine wesentlich kritischere Sichtweise vertraten die Beteiligten einer Online-Abstimmung der Lokalpresse. Nach dem Aussortieren von zahlreichen unzulässigen Mehrfachstimmen offenbarte sich ein Ergebnis von 55 Prozent Zustimmung, aber immerhin 42 Prozent Ablehnung; und das, trotz manipulativ formulierter Fragestellung („Villa Baltic in Kühlungsborn: Sind Sie für einen Hotelneubau zur Rettung des Hauses?“). Denn die Frage impliziert, dass ohne den Hotelneubau eine Rettung der Villa Baltic nicht möglich sei. Wer gegen den Hotelneubau ist, ist also im Sinne der Umfrage automatisch gegen die Rettung!

Das ist natürlich nicht der Fall. Man kann getrost behaupten, dass alle Kühlungsborner für die Rettung der schönen Villa sind. Viele sind aber gegen den Bau eines weiteren Hotels; zumal von den gleichen Investoren der Bau eines großen Hotels im Hafenbereich geplant und durchgeführt wird. Was Kühlungsborn dringend benötigt, ist ein größerer Versammlungsraum für Veranstaltungen aller Art. Zum Beispiel für Konzerte, Theater, Kleinkunst usw.

Als nicht die Stadt, sondern ein Privatier die Villa kaufte, war von vornherein klar, wohin die Reise gehen würde; nämlich zu einem für den Investor betriebswirtschaftlich viel interessanteren neuen Hotel. Da die Villa selbst dafür ungeeignet ist, muss nun ein Neubau her. Dafür benötigen die Projektentwickler das städtische Grundstück neben der Villa. Auch dies war von Anfang an klar.

Sahnestückchen für „einen Appel und ein Ei“?

Skurril wird es beim Grundstückspreis. Denn laut Katasteramt des Landkreises Rostock wird das Areal im Baltic Park auch heute noch, Jahre nach dem Abbruch der verfallenen Meerwasser-Schwimmhalle, als „Sanierungsgebiet“ ausgewiesen. Der Bodenrichtwert dort beträgt investorenfreundliche 425,– Euro je Quadratmeter. Zum Vergleich: die Grundstücke der angrenzenden Ostseeallee sind mit einem Wert von 1750,– Euro je qm beziffert.

Sollte es etwa sein, dass die Stadtverwaltung dem Investor das Grundstück für den neuen Hotel-Anbau für weniger als 25 Prozent des eigentlich erzielbaren Marktpreises anbieten wird? Und die Mehrheit der StadtvertreterInnen einem solchen „Deal“ zu Lasten der Stadtfinanzen bedenkenlos zustimmt?

Dann würde – bei einem angenommenen Erwerb von 2000 Quadratmeter Fläche – der Entwickler-Gesellschaft ein Kostenvorteil von 2,65 Millionen Euro entstehen. Sie hätte somit die Villa Baltic risikofrei zum Null-Tarif übernommen, und noch einen satten Überschuss eingefahren.

Die Stadt Kühlungsborn und ihre StadtvertreterInnen bleiben aufgefordert, eine sinnvolle und möglichst betriebswirtschaftlich tragfähige Lösung für die Villa Baltic zu finden. Der Erfolg wird daran zu messen sein, dass dieser Weg transparent, seriös, unter Einhaltung der Regeln für öffentlich-rechtliches Haushaltswesen, und mit einem signifikanten Nutzen für die BürgerInnen unserer Stadt beschritten wird.

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