Über 1500 Kilometer bis zum Riedensee zurückgelegt – seltener Brutvogel im Naturschutzgebiet zwischen Kühlungsborn und Kägsdorf

Rebecca Kain und ihr Begleiter Dennis Wohlert sind verblüfft: täuscht das Licht oder hat der kleine Watvogel am Strand im Naturschutzgebiet Riedensee tatsächlich bunte Beine? Rebecca Kain ist als Rangerin in einem LEADER-geförderten Projekt des NABU Mittleres Mecklenburg e. V. tätig. Bei ihren regelmäßigen Rangerrunden im Naturschutzgebiet hält die Biologin Ausschau nach Brutvögeln und freut sich nun über eine besondere Entdeckung. Am Strand zwischen Kühlungsborn und Kägsdorf kommt der heutzutage seltene Sandregenpfeifer vor. Der sandfarbene Vogel ist gut getarnt, so dass man ihn meist zuerst hört und dann sieht. Dieser hier aber trägt neben seinem Federkleid noch bunte Farbringe an den Beinen. Ein solcher Fund ist immer spannend, erläutert die Rangerin. Gelingt es die Farbringe abzulesen, kann man einiges über den Vogel herausfinden. Da die Kombination der Farbringe einmalig ist, können Sichtungen einzelnen Tieren zugeordnet werden. Und genau so ist es auch bei dem Sandregenpfeifer im NSG Riedensee. Deutschlandweit ist die Art vorm Aussterben bedroht und mit solchen Beringungsprojekten können die Vögel genauer erforscht werden. Dennis Wohlert meldet den Ringfund über das Internet bei der Beringungszentrale Hiddensee. Einige Tage später erhält er Antwort aus dem NABU-Wasservogelreservat Wallnau auf Fehmarn. Der Sandregenpfeifer wurde im letzten Sommer als 15 Tage altes Küken an der Schleswig-Holsteinischen Küste beringt. Dort wurde er noch einige Male gesichtet, bis der Zugvogel sich zum ersten Mal in seinem noch jungen Leben auf den Weg ins Winterquartier begab. Lange wurde der Sandregenpfeifer nicht gesichtet. Anfang März trudelte dann endlich eine Meldung von der Westfranzösischen Atlantikküste ein. Über 1500 km entfernt, südlich von La Rochelle, hatte jemand den Sandregenpfeifer beobachtet und dies ebenfalls bei einer Beringungszentrale gemeldet. Seit Mitte Mai ist der Sandregenpfeifer nun schon im Naturschutzgebiet Riedensee unterwegs. Inzwischen wurde der beringte Watvogel sogar dabei beobachtet, wie er mit einem Partner kleine Nestmulden am Strand angelegt hat. Die Nester der Sandregenpfeifer sind kaum zu erkennen. Das sei Fluch und Segen zugleich, meint Rebecca Kain. Für natürliche Feinde bleibt das Nest der Vögel zwar meist verborgen. Strandbesucher tappen jedoch ungewollt in den Nestbereich, was verheerende Folgen haben kann. Zum Glück hat die Rangerin auch einen Tipp für Spaziergänger am Strand parat: Wer dicht an der Wasserkante entlangläuft und seinen Hund ordnungsgemäß anleint, tut den bedrohten Vögeln einen großen Gefallen. Ihre Nester legen die Sandregenpfeifer meist am oberen Strandbereichen an. „Drücken wir den seltenen Sandregenpfeifern die Daumen, dass ihre Brut am Riedensee erfolgreich verläuft und wir bald die flauschigen Küken beobachten können“, resümiert die Rangerin Rebecca Kain, die den kleinen Watvogel in ihrem Projektgebiet ganz besonders unter ihre Fittiche genommen hat. Wer mehr über das Naturschutzgebiet Riedensee und seine interessante Tier- und Pflanzenwelt erfahren möchte, ist eingeladen eine Führung mitzumachen, z.B. am 26. Juni, 16:00 Uhr ab Kägsdorf/Scheunenkiosk oder dem 1. Juli, 10:00 ab Kühlungsborn-West, Parkplatz Ende der Waldstraße (Voranmeldung bitte unter info@nabu-mittleres-mecklenburg.de oder 0381-4903162).

Titelfoto © D.Wohlert

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